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Das treibe ich so…
…auf Modemessen.
Wie sieht eigentlich ein typischer Messetag aus, wenn Martina Müllner in Mission von style in progress in Florenz, Berlin, Düsseldorf & Co unterwegs ist? “Viel entspannter und zugleich viel spannender, als dass das Klischee vermuten ließe”, erzählt Martina Müllner.
Okay, nicht alles ist Klischee-frei, wenn ich zu einer Modemesse reise. Koffer packen beispielsweise ist eine Disziplin, in der ich olymisches Gold holen würde. Alles beginnt mit dem festen Vorsatz, diesmal jedes Outfit in meine Lieblingsapp (Stylebook, by the way) einzugeben und danach völlig kontrolliert einzupacken. Hätte die bezaubernde Aussicht, dass mein Kalender jeden Tag weiß, was ich anziehe. Tja, denkste, nachdem ich mehrere Stunden meine Kleiderschränke auf den Kopf stelle, stehe ich mit einer handgeschriebenen Liste da. Die dann an guten Tagen im stets Übergepäck-gefährdeten Koffer landet. An schlechten Tagen vergesse ich sie zu Hause, weshalb sich dann am Bestimmungsort das Drama wiederholt.
Warum dauert das so lange?
Das X-Chromosom, klar. Aber nicht nur das. Plakatives Labeling finde ich auf einer Messe (und auch sonst…) ebenso Tabu wie plumpe Gefälligkeiten. Marken zu besuchen, deren Sachen man offensichtlich trägt, ist cheesy. Ein allzu billiges Fischen nach Komplimenten. Weil klar müssen die sagen: “Steht Dir aber toll.” Sie haben es schließlich auch zu verantworten. Nein, wer Ehrgefühl hat, verdient sich Wohlwollen durch Leistung, nicht durch Klamotten tragen.
Und was dauert noch lange?
Wenn man in so privelegierter Position arbeiten darf wie ich: die Gespräche. Die auf den Ständen, auf den Gängen… Und weil ich nach so gut wie jedem wieder denke: “Spannendes Gespräch, super Thema, guter Gesprächspartner” bin ich auch im zwölften Jahr meiner Arbeit für den ucm Verlag und im sechsten meiner Chefredaktion für style in progress noch so verliebt in diesen Job.
Denn es sind und bleiben die Menschen , die mir die Modebranche so ans Herz wachsen haben lassen. Ein Gespräch mit einem schlauen Modemenschen ziehe ich jedem Ticket zu einer Fashion-Show vor. Übrigens eine probate Methode, um der Oberflächlichkeit dieser Branche konsequent aus dem Weg zu gehen. Abseits der Inszenierung geht es nämlich in unserem Teil des Modezirkus ganz schön entspannt zu.
Und was dauert am allerlängsten?
Nennen wir es mal: die Essen. Also alles nach: Von der Messe ins Hotel hetzen, die Outfit-Liste dann garantiert nicht finden oder spontan zu revidieren, sich mit einer Hand Frische ins Gesicht malen und mit der anderen E-Mails am iPhone beantworten, mal wieder viel zu spät wegkommen, um ein Taxi kämpfen, auf dem Weg zum Restaurant noch schnell mitzuteilen, dass doch fünf Personen mehr als angekündigt kommen…
Gerüchte, das diese Abende den eigentlichen Zauber einer Messe ausmachen würden, möchte ich an dieser Stelle entscheidend zurückweisen. Schließlich liefert der Stoff, den wir tagsüber in Augenschein nehmen, am Abend die Basis für Gespräche. Und wäre dieser Stoff nicht so wunderschön, gehaltvoll und innovativ, gingen uns auch an jedem Messeabend um 22.00 Uhr die Themen aus und wir könnten in unsere Hotelbetten sinken… Auf Gerüchte, wir würden das nicht tun, gibt es eine einzige Antwort: “Kein Kommentar.”

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